Letterhead
Was ist los, Ina?

Besonders Kinder unter drei Jahren brauchen viel Aufmerksamkeit in ihrem Ausdruck nach Verständnis. Sie leben spontan aus ihrer Welt heraus und lernen das Miteinander erst nach und nach! Wenn sie bei Problemen und Konflikten Verständnis erfahren, dabei Mitgefühl und Sicherheit bekommen, sind sie bereit, zu vertrauen. Ein großer Raum für Entwicklung entsteht wie von selbst.

Meine drei zweijährigen Tageskinder Ina, Peter und Marlies befinden sich spielend im Wohnzimmer. Marlies und Ina laufen voller Eifer mehrmals bis zur Essecke und zurück, bis Ina, die fast 3-jährige, stürzt und weint. Ich möchte sie trösten und gehe auf sie zu. Sie dreht sich weg und zeigt mir damit deutlich, ich möge weg bleiben. Zur Bekräftigung sagt sie heftig: „Geh weg“ und ich merke, sie meint dies ernst. Ich gehe einen Schritt zurück und überlege, wieso das Mädchen von mir keine Hilfe annimmt und ich erinnere mich an eine ähnliche Situation.

Sie wollte keinen Trost von mir, als sie sich am Zehen anstieß und weinte. Da hatte ich gerade Marlies an der Hand. Ina schaute damals von mir zu Marlies und zog sich anschließend zurück. Marlies braucht viel Zuwendung und lässt manchmal über eine Stunde meine Hand nicht aus.

Jetzt fiel mir ein, daß die Mama sagte, Ina hätte letzte Nacht schlecht geträumt und schrie: „Geh weg!“ Ich vermute, sie glaubt, sie hätte keinen Platz bei mir, er sei von Marlies belegt. Sorgfältig überlege ich, was ich da machen könnte. Da geht sie auf Peter zu, der, mit eindrücklichen Geräuschen spielend, auf der Couch sitzt und mit den Händen Hebelbewegungen nach oben vollführt. Ina sagt weinend zu Peter: „Du, ich hab mir weh getan, magst du mich trösten?“ Peter, hoch konzentriert seinen imaginären Bagger schaufelnd, scheint, als hätte er Ina gar nicht wahrgenommen. Ina schluchzt vor sich hin und wartet, daß Peter sich ihr zuwendet. In der Sprache der Gewaltfreien Kommunikation frage ich Peter, ob er denn die Ina gehört hat, was sie gesagt hat. Peter baggert unbehelligt des Geschehnisses von Ina weiter. „Peter“, sage ich, „die Ina möchte von dir getröstet werden!“ Peter reagiert nicht auf mich! Ich wundere mich und versuche mein Glück weiter. „Hast du gerade keine Sprechzeit, weil du so beschäftigt bist?" „Ja“, sagt er knapp und führt konzentriert seine Bewegungen fort. In der Zwischenzeit beruhigt sich Ina und hört interessiert unserem Gespräch zu. „Schau Ina“, sage ich, „Peter hat gerade keine Zeit für dich!“  Ina dreht sich um und wendet sich wieder Marlies und dem Spiel zu.

Da hatte sie doch gerade von allen große Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen. Das war es also, was sie gebraucht hatte!  In den nächsten Tagen betone ich bei passender Gelegenheit, daß ich für alle Kinder da bin und alle einen Platz bei mir hätten. Ich zeige auf meine Knie und meine Hände und nehme spielerisch und mit lustigen Worten alle Kinder zu mir. Ina schaut mich dabei etwas scheu von der Seite an und hört aufmerksam zu. Beim nächsten Aua noch etwas zurückhaltend, lässt sie sich  mit unserem „Aualied“, „Heile, Heile Gänschen“ besingen und auf den Schoß nehmen, bis sie sich von ihren kleinen Ungestümen erholt hat! Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit und einen achtsamen Umgang, damit sie Verständnis für ihre Bedürfnisse bekommen, an Erfahrungen lernen und sich dabei geborgen fühlen können. Mir wird warm um`s Herz, wenn ich mich an diese Situation mit ihrem erfreulichen Ausgang erinnere.

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